| | 71 | VOM LIEBEN GOTT, DER ÜBER DIE ERDE WANDELTE |
| | 72 | (aus: R. Gernhardt: "Die Blusen des Böhmen". 3. Auflage, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a.M. 2006, ISBN 3-596-13228-2.) |
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| | 74 | Es begab sich einmal, als der liebe Gott wieder einmal über die Erde |
| | 75 | wandelte, daß es dunkel wurde und er am Hause des reichen Mannes |
| | 76 | anklopfte und er um ein Nachtlager bat. |
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| | 78 | Doch der reiche Mann erkannte nicht, wer da vor ihm stand, und so |
| | 79 | antwortete er: "Tritt herein, unbekannter Fremder, das ist wohlgetan, |
| | 80 | daß du bei mir anklopftst. Gleich werde ich dir das schönste Bett im |
| | 81 | Haus herrichten lassen, darf ich dich in der Zwischenzeit mit feinem |
| | 82 | Backwerk und köstlichen Weinen bewirten?" |
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| | 84 | Da gab sich der liebe Gott zu erkennen und sprach erfreut: "Dein |
| | 85 | Angebot ist sehr freundlich, reicher Mann. Die letzten Male, da ich |
| | 86 | über die Erde wandelte, mußte ich nämlich immer beim armen Mann |
| | 87 | absteigen. Und da hat es mir, ehrlich gestanden, gar nicht gefallen, |
| | 88 | bei dem war alles -- unter uns gesagt -- doch erschreckend ärmlich." |
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| | 90 | Nach diesen Worten aber schmausten und tranken die beiden nach |
| | 91 | Herzenslust, und es wurde noch ein richtig netter Abend. |
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